Artikel
Autor:
Dr. Michael Kirchhof, Prof. Dr. Bodo Kraft
Veröffentlicht:
08.11.2011
Dogmatisches "Entweder agil oder klassisch" im Projektmanagement hat ausgedient – die richtige Mischung macht’s
Agile Entwicklungs- und Projektmanagementmethoden gewinnen an Bedeutung. Viele Unternehmen denken, nach aufwändigen Einführungen von klassischen Entwicklungsmodellen wie z. B. RUP oder PRINCE, verstärkt über den Einsatz agiler Methoden nach. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Sie liegen einerseits in dem Wunsch nach schnelleren und flexibleren Steuerungsmechanismen begründet. Andererseits schrecken der Aufwand der zu erstellenden Dokumentation und die transparente Planung aller benötigten Aufgaben und Rollen viele Projektbeteiligte auf unterschiedlichen Ebenen ab.
In der Tat bieten agile Methoden gute Möglichkeiten, Projekte effizienter zu steuern und flexibler auf Anforderungen der Stakeholder zu reagieren. Eine Produktneuentwicklung mit vielen Unklarheiten auf Auftraggeberseite erfordert beispielsweise geradezu ein agiles Vorgehen. Aber auch klassische Methoden haben weiterhin ihre Berechtigung und ermöglichen – ein sorgfältiges Tailoring vorausgesetzt – effiziente Projekte. So bieten sich zum Beispiel für kritische Migrationsprojekte, bei denen der Kundenauftrag in Bezug auf Termin und Umfang genau und endgültig abgegrenzt ist und zudem ein hohes Maß an formaler Dokumentation erforderlich wird, klassische Steuerungsmechanismen geradezu an.
Die Herausforderung beim Zuschnitt neuer Projekte und bei der Festlegung ihrer Entwicklungsmethodik liegt demnach darin, für die jeweiligen (Teil-)Projekte das passende Modell zu identifizieren. Es ist hierbei vielversprechend, die Methodik innerhalb der Projektstruktur zu variieren, das heißt einzelne Teilprojekte und Arbeitspakete unterschiedlich entsprechend ihrer Bedürfnisse zu steuern. In der Folge müssen während der Projektinitialisierung die Schnittstellen, insbes. die Kommunikations- und Steuerungsmechanismen, festgelegt werden. Gerade bei großen Projekten mit mehreren Teilprojekten und prominenten Lenkungsausschüssen ist eine durchgängige Planung mit Fortschrittskontrolle sowie ein einheitliches Reporting und Stakeholdermanagement für den Projekterfolg elementar. Nicht zuletzt erfordern auch Compliances, z. B. CMMI, eine integrierte Sichtweise auf das Gesamtprojekt.
Der Artikel gibt einen differenzierten Blick auf den Einsatz agiler und klassischer Vorgehensmodelle. Statt der teilweise fast naiven Begeisterung für agile Methoden zu folgen, werden Vor- und Nachteile sowie Einsatzgebiete sorgfältig diskutiert. Es wird eine Kombination von klassischen und agilen Vorgehensweisen dargestellt, die die Vorteile beider Methoden vereint.
Dieser Beitrag wurde von Dr. Kirchhof und Prof. Dr. Kraft (FH Aachen) für das PM Forum 2011 der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V. (Link) geschrieben und dort auch vorgestellt. Der Originalbeitrag steht Ihnen als Download zur Verfügung.
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